Grenzraum Bodensee

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Studienprojekt 2 – Kurs 2015/17

Schlusspräsentationen vom 12. Mai 2017   

Beteiligte Expertinnen und Experten:

  • Susanne Gatti-Sauter, Kantonsplanerin / Dienststellenleiterin Planungs- und Naturschutzamt des Kantons Schaffhausen, Vorsitzende Internationale Raumordnungskommission Bodensee (ROK-B)
  • Karl Heinz Hoffmann, Verbandsdirektor Regionalverband Hochrhein-Bodensee, Waldshut-Tiengen
  • Roland Tremp, ehem. Stadtrat, Chur
  • Dr. Felix Günther, Lehrbeauftragter ETH Zürich
  • Peter Noser, ehem. stellvertretender Direktor Amt für Städtebau der Stadt Zürich
  • Dr. Daniel Kolb, Kantonsplaner Kanton Aargau

Flyer (PDF, 1.7 MB)

Rückblick in Bildern

Hier finden Sie die Beiträge der vier Teams:

Schlussbericht Team 1:
NATUROPOLIS Bodensee. Grenzüberschreitend voneinander lernen »» (PDF, 4.9 MB)
Factsheet Team 1 (PDF, 5.2 MB)
Schlussbericht Team 2:
EnergieNährBodenSee »» (PDF, 1.3 MB)
Factsheet Team 2 (PDF, 636 KB)
Schlussbericht Team 3:
Bodenseeregion 2045 intakt | Gemeinsam in die Zukunft »» (PDF, 6.2 MB)
Factsheet Team 3 (PDF, 2.4 MB)
Schlussbericht Team 4:
SCHARNIER RHEINDELTA | Schlüsselraum für eine starke und vernetzte Bodenseeregion »» (PDF, 5 MB)
Factsheet Team 4 (PDF, 1.7 MB)


Copyright
Autoren und ETH Zürich, Abdruck mit Quellenangabe, Belegexemplar an die ETH Zürich.
ETH Zürich
NSL – Netzwerk Stadt und Landschaft
Dr. Anita Grams
Stefano-Franscini-Platz 5
CH-8093 Zürich

Der Bodensee mit seinen Anrainerregionen in drei Ländern befindet sich aus einer europäischen Perspektive in einer zentralen Lage. Als grösster See des deutschsprachigen Europas liegt er zwischen den Metropolitanregionen München, Stuttgart, Zürich und Vorarlberg - vier aus der jeweiligen Landessicht wirtschaftlich äusserst erfolgreiche Regionen. Im Bodenseeraum sind zahlreiche weltweit erfolgreiche kleinere und mittlere Unternehmen ansässig, die einen wachsenden Arbeitsmarkt bieten für hoch qualifizierte Arbeitskräfte in diversen Branchen. Gerade dieser Grenzraum reagiert aber empfindlich auf politische Entscheidungen, die zu einer Hemmung der wirtschaftlichen und räumlichen Verflechtungsmöglichkeiten führen können. Beispielsweise hätte eine Kontingentierung der Anzahl Grenzgänger im Verkehr von Deutschland und Österreich in die Schweiz enorme Auswirkungen auf die künftigen wirtschaftlichen Verflechtungen im Grenzraum Bodensee. Auf der anderen Seite profitieren heute beispielsweise grenznahe Gemeinden auf deutscher Seite von den Einkommenseffekten durch die Grenzgänger in Form von Steuereinnahmen. Bei solchen grenzüberschreitenden Effekten ist es sehr bedeutsam, dass die Wirkungen auch auf übergeordneter Ebene wahrgenommen werden. Dies ist aber oftmals schwieriger und aufwendiger zu vermitteln, als wenn nur eine Gebietskörperschaft wie ein Kanton oder ein Bundesland allein betroffen wäre. Umso wichtiger sind in solchen Grenzräumen grenzüberschreitende Kooperationen und Initiativen zu gemeinsam erkannten Problemen. Zu deren Lösungsfindung kann auch die Raumplanung beitragen.

Während bei Standortentscheidungen von Unternehmen die Lage zwischen europäischen Metropolitanregionen und die landschaftliche Attraktivität eine entscheidende Rolle spielen, kann diese Lage «dazwischen» und «am Rand», sowie die trennende Wirkung des grossen Gewässers und der Landesgrenzen bezogen auf die Raumentwicklung jedoch auch offensichtliche Nachteile haben. Weder konnte die Region in der Vergangenheit als Ganzes vom Sog der Metropolregionen profitieren, indem Verkehrsträger grenzüberschreitend und koordiniert ausgebaut wurden, noch ist ein eindeutiges wirtschaftliches Zentrum der Region auszumachen. Die Bahnlinien des Fernverkehrs enden resp. beginnen in den Städten am Bodenseeufer und die Siedlungsstruktur ist – mit einer Vielzahl an kleinen und mittleren Gemeinden in allen drei Ländern – polyzentrisch organisiert und die Landschaft ist bis heute stark durch eine intensive landwirtschaftliche Nutzung geprägt. Gleichzeitig sieht sich die Bodenseeregion in allen drei Anrainerstaaten sowie auch dem Fürstentum Liechtenstein mit überdurchschnittlichen Wachstumsprognosen konfrontiert. Damit erhöht sich der Siedlungsdruck insbesondere in den ufernahen Gemeinden in Deutschland und der Schweiz oder auch dem Rheintal mit seinen topografisch und verkehrlich günstigen Bedingungen für die Ansiedlung von Unternehmen im Bereich Logistik. Der grenzüberschreitende Pendlerverkehr, insbesondere in die Regionen Zürich und Liechtenstein nehmen jährlich zu und lassen die bestehenden Verkehrsinfrastrukturen zu Spitzenzeiten regelmässig an ihre Kapazitätsgrenzen kommen.

Trotz der zahlreichen Grenzen und Hemmnisse wirkt der Bodensee seit jeher als ein starkes Landschaftsbild und prägt die Identifizierung der Bevölkerung mit ihrer Region, die sprachlich und kulturell eine starke Einheitlichkeit ausstrahlt. Schon seit Langem ist die Bodenseeregion denn auch Gegenstand verstärkter gemeinsamer planerischer Anstrengungen - auch über Staats- und Regionsgrenzen hinaus, um integrierte Lösungen für den gesamten funktionalen Raum zu entwickeln. Dabei gilt es zu bedenken, dass die Grenzen im Bodensee bis heute von den Anrainerstaaten nie staatsvertraglich geregelt wurden. Vor dem Dreissigjährigen Krieg war der Bodensee ein Binnensee innerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, weshalb die Definition einer Landesgrenze nicht nötig war. Bis heute sind die Hoheitsverhältnisse am Bodensee zwischen den Anrainerstaaten nicht einvernehmlich festgesetzt1. Für die Bodenseeregion ist es deshalb besonders wichtig, dass die Anrainerstaaten problemorientiert zusammenarbeiten.

Der Raum mit seinen Anrainerstaaten ist demnach auch bekannt für seine langjährig erprobte Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinweg, um insbesondere Probleme im Zusammenhang mit der Verbesserung der Trinkwasserqualität oder dem Hochwasserschutz gemeinsam zu lösen. Eine gemeinsame Raumwahrnehmung ist denn auch die Grundlage für eine gemeinsame Problemwahrnehmung, welche wiederum die Grundlage bildet für robuste Lösungen, die auch langfristig Bestand haben.

Die Resultate des Studienprojekts im MAS-Programm in Raumplanung können durch die Untersuchung eines thematischen Schwerpunkts losgelöst von administrativen Grenzen einen Impuls geben für die Weiterarbeit in den bereits erprobten Zusammenarbeitsformen.  

1Die Schweiz zieht die Landesgrenze in der Seemitte (Realteilung), während Deutschland und Österreich von einem Kondominium ausgehen. Der See ausserhalb des Uferbereichs ist im deutschen und österreichischen Verständnis ungeteiltes Miteigentum der Uferstaaten (IGKB 1998).

 

 
 
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30.05.2017
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